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Heute sollte es zum Kap der guten Hoffnung gehen. Demnach klingelte früh (ca. 07:30 Uhr) der Wecker. Wir machten uns fertig und wollten gerade mit dem Frückstück beginnen, als Wilson (Klausi's Gärtner) ankam und uns sein Leid klagte.
Wilson lebt in Mandela Park, dem Township, das wir vor zwei Tagen nachts in Flammen gesehen hatten. Gestern hatten wir am Gate zum Estate schon ein paar hundert Rand für die Betroffenen gespendet. Wilson erzählte uns unter Tränen, dass sein Haus (was man so Haus nennt :/) auch den Flammen zum Opfer gefallen war. Sofort bat Klaus ihm an, Reste des Baumaterials vom Hausbau zur Verfügung zu stellen. Wilson nahm das Angebot an und sogleich begannen wir, Klausi's Toyota mit Roof-Sheets zu beladen. Die anderen blieben derweil im Haus und trafen die letzten Vorbereitungen für unseren Tagestrip zum Kap der guten Hoffnung. Stefan, Klaus, Wilson, Carlo und ich fuhren dann nach Mandela Park. Im Township lotste uns Wilson durch immer enger werdende Gässchen in die Nähe, wo vormals seine Hütte gestanden hatte. Die Blicke der Township-Bewohner waren schwer zu deuten, die politische Lage hier ist leider nunmal ein Thema für sich und unsere europäische Denkensweise läßt sich kaum bis gar nicht auf die hiesige Situation projizieren. Da wir schon mehrfach von Übergriffen auf Weisse in den Townships gehört hatten, reduzierten wir unseren Trip auf das reine Entladen des Jeeps, direkt im Anschluss fuhren wir wieder nach Hause. Ich denke, die paar Bilder, die Carlo und Klaus bei der Aktion gemacht haben, sprechen für sich...
Nachdem wir wieder bei Vitalumina angekommen waren, beluden wir die Autos mit ein wenig Proviant und fuhren mit drei Autos in Richtung Kap der guten Hoffnung. Wir hielten immer wieder an markanten Stellen und machten Bilder. Am Kap der guten Hoffnung teilten wir uns dann in mehrere kleine Grüppchen auf. Einige erklommen den Weg zum ersten Leutturm am Capepoint zu Fuss, die Kniegeschädigten (davon gab es leider mehrere) fuhren mit der Seil-Schienenbahn zum ersten Leuchtturm. Natürlich wollten eigentlich alle auch zum zweiten Leuchtturm, der nur zu Fuss zu erreichen ist. Leider war an diesem Tag der Wind so stark, dass die meisten schon nach den ersten Metern kehrt machten und nur wenige den anstrengenden Fussweg bis zum zweiten Leuchtturm wagten.
Jost, mein Hasi und ich kehrten um und fuhren mit der Seilbahn wieder zurück zum Parkplatz, wo die Autos standen. Unten angekommen, kauften ich meinem Hasi und auch dem Jost ein lecker Softeis, wobei uns schon gesagt wurde, dass man damit vorsichtig sein sollte. Man muss wissen, dass die freilebenden Paviane am Kap auch auf Softeis stehen... natürlich auch auf alles andere an Nahrung oder Getränken. Unten hatten wir in kurzen Abständen schon mehrere Pavian-Diebstähle gesehen, als plötzlich einer der Paviane ein Auge auf die Softeise von meiner Süßen und mir geworfen hatte. Da ich scheinbar ein wenig größer war, wählte der blöde Affe dann das Eis meines Schatzes zum Ziel. Sandra bekam es mit der Angst zu tun, versuchte sich kurz, hinter einem unbekannten Besucher zu verstecken, schmiss dann das Eis auf den Boden und versuchte, sich mit einem Becker-Hechtsprung aus der Reichweite des Affen zu begeben. Scheinbar hatte sie sich bei diesem Sprung das Knie verletzt (diesmal das linke...). Nach kurzer Pause konnten wir dann unsere Tour zunächst fortsetzen. Wir fuhren also mit unserem Wagen ein Stück zurück und bogen dann links zum eigentlichen Kap der guten Hoffnung ab. Unten trafen wir auf den Rest der Truppe, der den Abstieg bis hier zum Teil zu Fuss bewältigt hatte.
Nach kurzer Pause und einigen Fotos ging es anschliessend zum nächsten Punkt unserer Tagestour, nach Boulder Beach.
Hier leben ca. 3000 Pinguine und der Strand ist wirklich bildschön. Ausserdem liegt dieser Strand am indischen Ozean, was bedeutet, dass die Wassertemperatur ca. 10 - 15 Grad Celsius höher ist, als im Atlantik.
Unglaublich, an einem Strand zu liegen bzw. schwimmen, an dem diese possierlichen und relativ menschenfreundlichen Tiere leben. Einige kletterten ein wenig auf den Felsbrocken umher, andere lagen faul in der Sonne, wieder ein anderer Teil bevorzugte, zunächst ein wenig Futter im nahen Restaurant zu sich zu nehmen. Um etwa 16:00 Uhr gingen dann auch Sandra und ich zu diesem Restaurant, weil wir Kohldampf schoben. Auf dem Weg dorthin trafen wir Claudi und Ulf, die soeben von einem langen Einkaufsbummel in der Waterfront zurückgekehrt waren. Gemeinsam setzen wir uns und bestellten Seafood bzw. Ostrich-Medaillons (Strauss) für mein Schatzi. Wir sassen und assen für ca. eine Stunde und nach und nach vergrößerte sich unser Grüppchen, weil immer mehr vom Strand zurückgekommen waren.
Als wir dann wieder aufbrechen wollte, klagte Sandra über unsagbare Schmerzen im linken Knie. Sie konnte das Bein kaum noch bewegen und wir mussten Sie mit zwei Männern stützen, um sie vom Deck, wo wir gegessen hatten, die kleine Treppe bis unten an den Parkplatz zu bringen. Als wir gerade den ersten Fuss auf den Parkplatz setzen, kam der Kellner des Restaurants und sagte mir, dass er gesehen habe, was los sei und er riet uns, das Bein nicht weiter zu bewegen. Er habe selber mal eine Knieverletzung gehabt, die damals nicht richtig behandelt worden sei und er habe damit bis heute Probleme. Der Kellner bat uns an, einen nahen Arzt zu verständigen, der sich das Knie kurz anschauen sollte. Wir bejahten und nach ca. 10 Minuten stand ein Paramedic-Wagen vor dem Pinguin-Restaurant. Marc, der Paramedic liess sich kurz die Situation erklären, stellte anschliessend das Bein ruhig und sagte uns, dass es das beste sei, Sandra ins nahe Krankenhaus in Fishhoek bringen zu lassen, damit das Knie dort geröngt und weiter untersucht werden könne. Er verständigte eine Ambulanz und weitere 10 Minuten später standen plötzlich ein riesiger und ein kleinerer Feuerwehrwagen und eine Ambulanz, alle mit Blaulicht, vor uns. Dieses Bild führte bei allen Wartenden zu lautem Gelächter. Sandra wurde auf eine Trage gehieft und in die Ambulanz geschoben. Da ich noch das Mietfahrzeug dabei hatte, erklärte sich Jost, der die ganze Zeit bei uns geblieben war, bereit, in der Ambulanz mit Sandra zusammen ins Krankenhaus zu fahren. Ich fuhr mit unserem Avis-Golf hinterher ins Krankenhaus. Dort bekam Sandra dann nach kurzer Untersuchung einen Stützverband, eine Spritze gegen die Schmerzen und zwei Krücken :/. "Sollte das unser Urlaub gewesen sein?", fragten wir uns beide. Leider war es in diesem Krankenhaus um diese Uhrzeit, wir hatten mittlerweile ca. 20:30 Uhr, nicht möglich, das Knie sofort zu röntgen. Scheinbar hat das Krankenhaus in Fishhoek nur einen Röntgen-Apparat, der ab 20:00 Uhr für wirkliche Notfälle freigehalten wird. Somit mussten wir mit der bisher geleisteten Erstversorgung zufrieden sein. Kurz darauf sassen wir auch schon wieder im Auto zurück nach Hause, wo Doris und Wolfgang fleissig dabei waren, selbstgemachte Käsespätzle für die hungrige Meute vorzubereiten. Nach dem äußert leckeren Essen gingen Brownie und ich runter ins Guesthouse, um unseren Tagesbericht zu schreiben. Um ca. 01:00 Uhr fielen wir müde ins Bettchen.
/brownie & burn
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